PostHeaderIconMein Leidensdruck

 

Ich habe mir immer die Frage gestellt, wofür ich diese weiblichen Gefühle benötige. Dieses unbestimmte, innere Gefühl, diese Unruhe, diese innere Stimme, dieser drängende Wunsch nach weiblichem Aussehen, dieses Ritual des Dressens... das alles wollte ich nie. Es gehörte einerseits zu mir, doch andererseits hatte ich mir das nicht gewünscht.

Während der Pubertät und als junger Erwachsener waren diese Gefühle, die ich nicht verstanden habe, sehr quälend. Schließlich haben mich die Gedanken um diese Gefühle mein ganzes Leben über begleitet und mich oft abgelenkt, da ich kaum an etwas anderes denken konnte.

Das Geheimnis, mein Doppelleben, meine Lügen haben mich insbesondere meiner Frau gegenüber schwer belastet. Ich wünschte mir oftmals, ich könnte es einfach abschalten, doch das war scheinbar unmöglich.

Vielleicht kennst du dieses unbestimmte Gefühl, das sich nicht wirklich in Worte fassen lässt. Du bist ein biologischer Mann und möchtest auch weiterhin einer sein und dennoch hast du das Gefühl, dass du weiblich denkst und fühlst, obwohl du gar nicht so genau weißt, was das bedeutet.

Bei mir war es so, dass ich nach einiger Zeit "Normalität" plötzlich innerlich unruhig wurde. Ich spürte meist anfangs ein leichtes Klopfen, wie von einer kleinen, unsichtbaren Faust, die von innen gegen meine Stirn pochte; erst etwas zögerlicher, dann immer fordernder. Je länger ich mit dem Dressen wartete, je unruhiger, unkonzentrierter, unausgeglichener und unzufriedener wurde ich. Das innere Klopfen nahm dann immer mehr zu. Manchmal tauchte auch eine mahnende Stimme auf, die mich darauf hinwies, dass sie auch noch da sei und mal wieder raus wollte.

Erklären konnte ich mir das nicht. Ich gab einfach nach, um wieder zu meinem "normalen" Wohlbefinden zurück zu kehren und "normal" weiter leben zu können.

Als Jugendlicher mag es mit einem Kleidungsfetisch und vielleicht auch mit einer sexuellen Fantasie begonnen haben, doch im Laufe der Jahre wurde mir immer bewusster, dass das nicht der Grund bzw. die gute Absicht dieser Gefühlswelt war.

Es war etwas anderes. Die Frage "was" blieb für mich jahrelang unbeantwortet.