Meine Gedanken
Ich denke, dass gerade Menschen, die sich für den Weg der medizinischen Anpassung entscheiden, ganz besonders umsichtig und kritisch diese Entscheidung überprüfen sollten.
Leider ist das nicht selbstverständlich, denn die Informationen über das Internet, durch andere Transsexuelle und den medizinischen Fachkräften sind häufig nur einseitig, unzulänglich und verallgemeinert. Es fehlt in den meisten Fällen eine individuelle, zielorientierte und tiefgehende "Überprüfung" dieses Wunsches.
Dabei gibt es nachweislich eine große Anzahl an Fälle von transsexuellen Menschen, die nach der gegengeschlechtlichen Anpassung merken, dass das nicht die Lösung ihrer Probleme war. Sie versuchen dann wieder in das alte Leben zurückzukehren oder nehmen sich im schlimmsten Fall das Leben.
Meiner Meinung nach könnte diese Zahl von Fehlentscheidungen deutlich stärker reduziert werden, wenn alle Beteiligten - insbesondere der transsexuelle Mensch sich - ausführlicher, intensiver und selbstkritisch hinterfragen würden.
Ich stand selber an dieser Weggabelung in meinem Leben und habe diesen Wunsch, dieses Verlangen danach ganz und gar Frau zu sein, über einen längeren Zeitraum intensiv hinterfragt. Trotz des übermächtigen Verlangens diesen Weg zu gehen, weil nur das die Lösung für mich zu sein schien, konnte ich nach einiger Zeit feststellen, dass ich mich irrte.
In unzähligen Gesprächen mit transsexuellen Menschen in den unterschiedliche Stadien ihrer Anpassung habe ich im Verhältnis wenige zufriedene und viel mehr unzufriedene Menschen kennen gelernt.
Oftmals ist die Vorstellung, wie es ist, eine Frau zu sein, geschönt und die Wahrheit nach einem langen Weg von Strapazen, Kosten, Schmerzen, Verlusten, Leid und Ängsten sieht dann im Vergleich zur Hoffnung regelrecht erschreckend aus.
In den letzten 3 Jahren habe ich von verschiedenen Trans-Menschen gehört, selber mit vielen gesprochen und über unterschiedliche Interentforen Zuschriften von weiteren bekommen, die ihren Weg bereut haben. Vielleicht sind es nur wenige und dennoch gibt es sie.
Ich kenne auch Menschen, die ihre Entscheidung nicht bereut haben, und heute glücklich sind. Für mich interessant, kenne ich mehr ehemals Frau-zu-Mann-Transsexuelle, die mit ihrem neuen Leben zufrieden sind, als ehemals Mann-zu-Frau-Transsexuelle.
Doch auch die zufriedenen Menschen geben mir recht, dass in der heutigen Zeit leider für viele Menschen, die die kompletten Anpassung anstreben, der Weg viel zu leicht ist.
Im Internet bekommt man Ratschläge und Tipps, wie man sich dem Psychologen oder Psychotherapeuten gegenüber verhalten soll, was man antworten soll, damit er davon überzeugt ist, dass sein Patient tatsächlich transsexuell ist. Das Internet informiert über die Medikation und es werden Empfehlungen ausgesprochen, welche Medikamente welche Wirkung haben. Im Ergebnis verlangen einige Patienten von ihren medizinischen Fachkräften die Art der Behandlung. Nicht auszudenken, welche Folgen das haben kann, wenn die Ärzte darauf eingehen.
Ich stelle nicht die Fähigkeiten von medizinischen Fachkräften in Frage. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es einen vorgegebenen, allgemeingültigen Fragenkatalog gibt, nachdem die medizinischen Fachkräfte einschätzen, ob eine Krankheit vorliegt, die behandelt werden muss und deren Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Es gibt sicherlich Spezialisten, die sich mit der Transsexualität auskennen, doch grundsätzlich gilt, dass die Einschätzung nicht zwingend ein Spezialist vornehmen muss.
Das Thema ist sehr komplex.
Es spricht meiner Meinung nach auch überhaupt nichts dagegen, Menschen durch eine körperliche Anpassung zu heilen.
Ich möchte nur auf mögliche Gefahren von Fehlentscheidungen hinweisen, die sich erst Jahre später als solche herausstellen, und dafür sensibilisieren, nicht leichtfertig - bei allem Verständnis für die verzweifelte und belastende Situation des transsexuellen Menschen - diesen Weg zu wählen.
Aufgrund unserer Erfahrungen und Fähigkeiten möchten wir Menschen dabei unterstützen, im Vorfeld abzuklären, ob dieser meist beschwerliche und verlustreiche Weg wirklich zu dem gewünschten Ergebnis führt.