3. Teil: Meine Lebensgeschichte
Im Jahr 2009 haben meine Frau und ich eine Fortbildung zum Personal Coach / Psychologischen Berater gemacht, weil wir die Mitglieder im Netzwerk noch besser unterstützen wollten. Wir haben Möglichkeiten und Methoden gelernt, um lösungs- bzw. zielorientiert zu unterstützen und die Menschen, die unsere Unterstützung annehmen entsprechend ihrer Wünsche und Vorstellungen bei ihren Lösungsansätzen und Möglichkeiten zu begleiten.
In diesem Jahr fand neben der fachlichen Qualifizierung auch ein hoher Teil an Selbsterfahrung statt. Ich habe mein Thema des Trans-Seins mit in diese Selbsterfahrung genommen und mich coachen lassen. So hatte ich die Möglichkeit, mich noch einmal intensiv mit mir auseinander zu setzen und zu erfahren, welche gute Absicht hinter den weiblichen Gefühlen steckt. Häufig fragen sich die Transgender, warum sie diese Gefühle haben. In der Regel wissen sie darauf keine Antwort. Ich habe mir diese Frage auch oft gestellt.
In dieser Qualifizierung habe ich mich noch einmal selbsterfahren und spürte gegen Ende der Ausbildung eine Veränderung. Das Bedürfnis des Dressens, mich also als Frau fertig zu machen, um mein inneres Gefühlsleben auch äußerlich zu zeigen und sein zu dürfen, wurde deutlich weniger. Das überraschte mich. Mir ist natürlich bekannt, dass es solche Phasen immer mal wieder gibt, doch dieses Mal war es anders als bisher.
Anfang 2010 wollte ich nicht einmal als Frau zu einem unserer eigenen Events für Transgender und Partnerinnen gehen. Ich hatte gar keine Lust dazu, mich zu dressen.
Daraufhin habe ich erneut an einer Selbsterfahrung teilgenommen und mehr über die Hintergründe dieser - meiner ganz persönlichen - Gefühle erfahren. Das war der Moment, in dem mir deutlich wurde, welche gute Absicht sich hinter diesen weiblichen Gefühlen tatsächlich verbirgt. Das war der Moment, an dem ich loslassen konnte, d.h. ich brauchte plötzlich das äußere Erscheinungsbild - das Dressen - nicht mehr, um meine weiblichen Gefühle als ein Teil von mir als Mann zu akzeptieren und ihrem Sinn nach nutzen zu können.
Seitdem ist dieses innere, unbestimmte Gefühl weg, die innere Stimme ruhig und ich verspüre keinen Drang mehr, mich weiblich zu kleiden, zu schminken und zu geben. Ich konnte meine beiden Anteile - den männlichen und den weiblichen - in Einklang bringen, sie verstehen und in nützliche Fähigkeiten umwandeln.
Es geht mir dabei sehr gut.