Two Spirits
Two Spirits - die Transgender der indigen Kulturen
Der Two-Spirit als Mittler
In vielen Kulturen ist der Two-Spirit auch der Schamane, der Mittler, der Mediator. Er ist es, der die Balance für seinen Stamm und die Hilfesuchenden herstellt, er vermittelt zwischen der Welt der Lebenden und der Geister, dem Mensch und der Natur. Durch seine persönliche Reiseerfahrung und durchlebten Wandlungsrituale findet er sein schamanisches Gleichgewicht.
Er wird selbst zur Auflösung der Gegensätze von Leben und Tod, Licht und Dunkel, männlich und weiblich, um letztendlich zur Wiedererzeugung und Vereinigung genau dieser einzelnen Anteile und Bruchstücke zu führen. Der Schamane nimmt während seiner Ausbildung dieses Mysterium der Ganzheit, das für ihn schon immer gegeben war, in sich auf und wird durch seine Reise, Erfahrung und Erinnerung zu diesem Ganzen.
Jeder Mensch besteht aus männlichen und weiblichen Anteilen, welche kindliche und auch erwachsene Aspekte haben. Über die Reise mit den Krafttieren und der Erfahrung mit dem Lehrer öffnen sich innere und äußere Welten; der Schamane wird sich seiner Männlichkeit und Weiblichkeit bewusst zu werden. Er reist z.B. durch die Erlebnisse der Kindheit, um das Kind zu bewahren und zu verstehen; so wird er sich seines Lebens im Jetzt bewusst. Ein Prozess, der sehr viel Kraft mit sich bringt und Talente, sowie Fähigkeiten erweckt. Eine Reise, die über die Grenzen des Geschlechtes hinausführt und auch die sozialen Geschlechtergrenzen unserer Gesellschaft aufbricht, Freiräume schafft für eine Sicht auf das Ganze wie auch das Detail.
Zu vielen Phasen des Lebens und Werdens gehören Rituale und Zeremonien, welche wir heute nicht mehr bewusst wahrnehmen oder vollkommen vergessen haben. So schließen wir bestimmte Lebenszyklen unserer Entwicklung nicht oder nur ungenügend ab. Viele persönliche Erfahrungen, die früher Teil einer freudigen Feier wurden, verkommen heute schnell zu persönlicher Scham, wenn es um die Entdeckung von Männlichkeit und Weiblichkeit geht.
In den meisten Kulturen gehört es zur Initiation des Schamane,n die eigenen Anteile kennenzulernen, durch Seelenrückholung und Arbeiten im Medizinrad sowie auch durch gegengeschlechtliches Leben. Der Schamane dient z.B. Mann und Frau als Mediator, um diese Balance zu sein, muss er Mann und Frau sein und doch auch mehr als die Summe der Teile. Die nordamerikanischen Stämme nehmen ihre Umgebung als belebt wahr. In dieser Umgebung hat alles ein Geschlecht, ist beseelt, der Berg, die Wüste, die Steppe, der Stein … Vater Himmel und Mutter Erde. Die Aspekte des männlichen und weiblichen umgeben uns.
In den indigen Kulturen waren die Rollenbilder fest definiert und doch konnten die Stammesmitglieder in ihnen wechseln. Es fand eine Vermischung der Geschlechterrollen statt. Etwas ähnliches geschieht auch heute in unserer modernen Gesellschaft. Sanfte Männer und harte Frauen sind auch Rollen und Masken unseres täglichen Lebens. Die Frau muss ihren Mann stehen und der Mann muss leidenschaftlich und emotional sein, um in bestimmten Berufen zu bestehen. Die Berufe (Berufungen) durchbrechen die alten Geschlechtergrenzen.
Die schamanische Erfahrung kann uns helfen, unsere inneren Anteile kennenzulernen, zu verstehen und in unser Leben einzubringen.
Kalen
Porta Westfalica, den 20.2.2011